Die erste Hürde für unsere Wanderung stellte bereits das Dorf Düssel dar. Der DB Navigator meint es nämlich gut und wandelt Düssel konsequent in Düsseldorf um. „Düssel, Wülfrath“ ist das „Sesam, öffne dich!“ für den Beginn dieser (neunten) Etappe auf dem neanderlandSTEIG. An einem murmelnden Bächlein entlang befanden wir uns schon nach wenigen Minuten im Wanderglück. Eiszapfen zierten die Bäche am Wegesrand, später auch bizarre Zacken und Kugeln. Über einen viel genutzten Feldweg und unter einer Autobahn hinweg landeten wir schließlich an einem matschigen Anstieg auf einer Wiese, während dem sich mein Geist ein vorschnelles Urteil zu diesem Weg bildete. Plötzlich lenkte eine flauschige Kugel auf einer hohen Spitze unsere Aufmerksamkeit zu sich. Der Bussard nahm unsere Ankunft und Rast als charmante Abwechslung und prüfte von einem besser gelegenen Ast aus, ob ich mein Brot mit Cheesana mit ihm teilen sollte. Er flog ein Stück davon, stürzte sich zur Jagd ins Unterholz und kam dann zurück, um als Fotomodell Beachtung zu heischen.

Ein weiterer Feldweg mit einigen Spaziergängern unterbrach unsere Wanderung. Die Leute schienen sich in meinen Augen fast auf die Füße zu treten, tatsächlich waren dort nicht mehr als drei bis vier Paare. Dennoch war ich froh, dass wir nach kaum zwei Metern auf diesem Weg direkt in einen Waldpfad gegenüber einbiegen konnten. Eis auf dem Abstieg ließ die Freude weichen – konzentriert setzen wir einen Fuß vor den anderen. Dann traute ich dem frostigen Pfad. Mit den Worten „Eigentlich könnte ich…“ rutschte ich aus und landete auf dem harten Eis. Wenige Minuten später landete unsere Kamera im Schnee. Ich fischte das letzte Taschentuch aus meiner Jacke und Anna putzte das weiße Puder rasch von ihr.

Während Anna die Kamera schon wieder einsetzte, traute ich meinen Augen nicht: der Weg führte einen Abhang hinab steil zu einem kleinen Bach und dann auf der anderen Seite hinauf. Der Abstieg war nicht nur frostig, sondern spiegelglatt gefroren. Ohne Spikes gab es dort die absolute Sturzgarantie. Wir saßen in der Falle – zurück ging nicht, vorwärts ging auch nicht. Anna wagte es dennoch und kraxelte einen alternativen, eigenen Weg zum Bach und dann wieder hinauf. Ich folgte ihrem Pfad, als sie schon von drüben lächelte, fand aber zunächst gar keinen Halt. Fokussiert und motiviert steckte ich meine Schuhe jedoch so lange in den Schnee, bis ich stehen und gehen konnte. Der Bach ließ sich durch einen gefärbten Metallstab und zwei große Steine auch hier gut überqueren. Über bedecktes Buschwerk stapfte ich nach oben und sah Anna nirgends. Sie erschien wie aus dem Nichts, als ich einen viel zu weiten Ausfallschritt nach oben hätte wagen müssen und zog mich nach oben. Für einen kurzen Moment war unklar, ob wir es schaffen, doch sie ließ keinen Zweifel erkennen. Beim Anblick dieses Hindernisses hatte ich noch gestöhnt, dass dies gar nicht möglich sei. Fünf Minuten später hatten wir das scheinbar Unmögliche geschafft – einfach auf einem etwas anderen Weg.

An der Straße bestand die Möglichkeit, den Steig vorzeitig zugunsten eines asphaltierten Weges zu verlassen. Wir zogen es in Betracht, setzten den Wanderweg aber fort. Die Wege wechselten zwischen völlig freiem Waldweg, gut begehbarer platter Schneedecke und vereisten Passagen, wo wir den Weg (wie so häufig heute) am Rand begehen mussten. Die Wanderzeit von zweieinhalb Stunden überschritten wir somit auch deutlich und erreichten den S-Bahnhof Velbert-Neviges nach ca. 4:40 Stunden Wanderund inklusive der Pausen.

Über Wuppertal Hbf sollte uns der RE13 nach Neuss bringen. In Düsseldorf fuhr dieser ohne Angabe von Gründen nicht weiter, sodass wir uns für die Nordwestbahn aufstellten, die aber spontan ausfiel. Eine dicht bepackte U76 nach zwei Zugausfällen reicht in der Regel dafür, meine Mundwinkel nach unten zu ziehen. Umso überraschender, dass ich aus dieser Spirale rasch ausstieg und mich lieber über zwei Herrschaften freute, die sich auf Französisch unterhielten – ich verstand nämlich einiges. Das macht doch Hoffnung, es bald auch sprechen zu können!

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